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Die Rettung eines bedeutenden Kulturdenkmals:

Die vergoldeten Bleifiguren des barocken Heckentheaters in Hannover-Herrenhausen

Förderzeitraum: 2003 - 2009

Die Bühne des Heckentheaters, um 1725

Plan des Großen Gartens, um 1735

Anfang April 2009 sind 17 Barockfiguren aus vergoldetem Blei nach ihrer aufwändigen Restaurierung in das Heckentheater im Großen Garten von Hannover-Herrenhausen zurückgekehrt. Da die kostbaren Originale sehr starke Schäden aufwiesen, waren sie 1970 durch relativ grobe Nachgüsse aus Bronze ersetzt worden. In der Folge verschwanden sie für mehrere Jahrzehnte, nahezu vergessen, im Depot. Da die kostbaren Originale sehr starke Schäden aufwiesen, waren sie 1970 durch relativ grobe Nachgüsse aus Bronze ersetzt worden. Da die wertvollen Skulpturen nicht auf Dauer deponiert bleiben sollten, setzten seit 2001 Bemühungen zu ihrer Rettung ein. Auf Initiative des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege erklärte sich die Wenger-Stiftung für Denkmalpflege bereit, die Finanzierung der Gesamtrestaurierung der barocken Figurengruppe zu übernehmen. Mit einer Musterrestaurierung wurde das Gesamtkonzept erarbeitet und das Kostenvolumen definiert. Der Gesamtbestand konnte dann bis 2009 von Haber & Brandner Metallrestaurierung in Regensburg instandgesetzt werden. Die von der Wenger-Stiftung für Denkmalpflege geförderten Restaurierungsmaßnahmen umfassten ein Kostenvolumen von mehr als EUR 350.000,--.


Die Bleifiguren auf der Bühne, um 1900

Das Heckentheater um 1930

Das Theaterboskett als höfischer Festraum

Durch die 1692 erreichte Kurwürde war das Herzogtum Hannover zu den führenden Staaten in Deutschland aufgestiegen. Kurfürst Ernst AugustErnst August von Braunschweig-Calenberg (1629 - 1698) war Herzog zu Braunschweig und Lüneburg. Zunächst als nachgeborener Prinz für den geistlichen Stand bestimmt, wurde er als Ernst August I. Fürstbischof von Osnabrück. 1679 Fürst von Calenberg. 1692 Verleihung der neunten Kur im Heiligen Reich Deutscher Nation ("Kurhannover"). Verheiratet mit Sophie von der Pfalz. und seine Gemahlin, Kurfürstin SophieSophie, Tochter von Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, des böhmischen „Winterkönigs“, und der Elisabeth Stuart, Tochter König Jakobs I./VI. von England und Schottland, auch bekannt als Sophie von Hannover (*1630 Den Haag - +1714 Herrenhausen). Gattin von Ernst August von Braunschweig-Calenberg. Durch den Act of Settlement seit 1701 designierte Thronfolgerin der britischen Monarchie. Unter ihrer Leitung Ausgestaltung der hannoverschen Residenz in Herrenhausen mit dem Großen Garten., ließen zur Demonstration ihres neuen Status Herrenhausen zu einer prachtvollen Sommerresidenz ausbauen. Ein zentrales Projekt stellte das zwischen 1689 bis 1693 errichtete Heckentheater dar.
Hier ist zum ersten Mal in der Geschichte der Gartenkunst das Bauprinzip einer barocken KulissenbühneDie Kulissenbühne ist das vorherrschende Bühnensystem während der Barockzeit. Sie wird in Form eines weit geöffneten Trichters von versetzt hintereinander angeordneten bemalten Seitenkulissen gebildet. Diese ermöglichen Auftritte von den Seiten und verbergen die Beleuchtung. Kulissenwagen, Seilzüge und weitere Elemente der Bühnenmaschinerie erlauben komplizierte Verwandlungen. Gut erhaltene Beispiele: Bayreuth, Markgräfliches Opernhaus und Krumau (Český Krumlov), Schloßtheater. konsequent in einen Garten übertragen worden. Andere Gärten folgten diesem Gestaltungsprinzip, doch blieb kein anderes Heckentheater erhalten.
Andere Gärten folgten diesem Gestaltungsprinzip, doch blieb kein anderes Heckentheater erhalten. Barocke Architektur, zu der selbstverständlich auch die Gärten zählen, ist Bedeutungsträger. Im speziellen Fall des Heckentheaters muss man sich dieser Tatsache bewusst sein, will man es aus der Sicht seiner Erbauer angemessen beurteilen. Am Ende des 17. Jahrhunderts bildete es mit dem Orangenparterre und dem Königsbusch eine zusammenhängende Folge von Festräumen im Freien - voller komplizierter, uns fremd gewordener Symbolik, die der Glorifizierung des Herrscherhauses diente.
Das TheaterboskettDas Boskett ist der Hecken- und Niederwaldbereich des Barockgartens. Seine zumeist geradlinigen Außenseiten werden durch dichte, in geometrisch exakte Formen geschnittene Hecken oder niedrige Bäume gebildet. Die Boskette sind fast immer spiegelsymmetrisch aufgebaut und liegen zumeist parallel auf beiden Seiten der Hauptachse des Gartens. Die so gegliederten Bereiche beinhalten kleine Salons im Freien, sie wiederholen gewissermaßen den Innenraum des Schlosses in der Außenwelt. Den Bosketten sind unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten zugedacht, so finden sich hier oft Heckentheater, Irrgärten oder offene "Konzertsäle". besteht aus drei Teilen: der Kulissenbühne mit ihrer perspektivisch abgelegten Bühne, den Seitenbühnen, Kulissengängen und Garderoben, dem Amphitheater, in dem mehrere hundert Zuschauer auf ansteigenden Terrassen Platz fanden, und dem Königsbusch mit seinen kleinen Bosketten, in denen man lustwandeln konnte. Im Zentrum stehen als Herrschaftsdemonstration Figuren des regierenden Herzogs Ernst August, seiner Gemahlin Herzogin Sophie, seines Vaters Herzog Georg von Calenberg und ihres Sohnes Prinz Georg Ludwig. Sie verkörpern damit auch den Aufstieg des Welfenhauses im 17. Jahrhundert.


Eine barocke Festgesellschaft im illuminierten Heckentheater

Warum besitzt das Heckentheater einen Figurenschmuck?

Zum fürstlichen Garten in Herrenhausen gehörte das Heckentheater als Ort des Lustwandelns und Schauplatz für Feste und Theateraufführungen. Es wurde eine ehrfurchtsgebietende Vergangenheit zitiert, wenn sich die Zuschauer, antikem Brauch folgend, im Halbrund des Amphitheaters niederließen.
Im Goldenen Zeitalter lebten die Menschen mit den Göttern zusammen, ohne Sorge und Arbeit, alterten nie, lachten und tanzten, wie es die Goldfiguren zum Ausdruck brachten. In Zusammenspiel mit den geschnittenen Hecken und Bäumen sollten 26 Figuren aus Blei und 34 aus Stein dem Theaterboskett als einen Hort zeitlosen Glücks darstellen. Im Goldenen ZeitalterGoldenes Zeitalter ist ein Begriff aus der antiken Mythologie. Er bezeichnet eine als Idealzustand betrachtete friedliche Urphase der Menschheitsgeschichte vor der Entstehung der Zivilisation. lebten die Menschen mit den Göttern zusammen, ohne Sorge und Arbeit, alterten nie, lachten und tanzten, wie es die Goldfiguren zum Ausdruck brachten.
An den Seiten des Amphitheaters standen Allegorien der Vier Jahreszeiten in Kindergestalt. Auf der oberen Brüstung posierten acht Tänzerinnen. Auf der Bühne begleiteten Statuen in zwei Reihen den Blick in die Tiefe. Der Blick wurde von dem im Süden hoch aufsteigenden Strahl einer Fontäne gelockt und die Weite entlassen. Vier Figuren auf der südlichen Balustrade antworteten den Tänzerinnen auf der Brüstung des Amphitheaters. Das Bühnenportal schützten die dialogisch aufeinander ausgerichteten Borghesischen Fechter.
Zwei dem Theater zugeordnete Allegorien der Schäferspiele und der Tragödie am vorderen Bühnenrand wurden später durch die Göttinnen Ceres und Luna, Sinnbildeer für Fruchtbarkeit und den Mond, ersetzt.
Auf der Balustrade stehen noch vier Bleifiguren.


Die Kleine Kaskade an der Südseite der Bühne. Kupferstich um 1800.
Auf der Balustrade stehen noch vier Bleifiguren

Figurenstandorte in der Barockzeit (Heike Palm, 2007)

Wie standen die Bleifiguren früher?

Die Figuren aus vergoldetem Blei wurden 1689 bis 1692 in den Niederlanden erworben. Sie waren von Anfang an Teil des Heckentheaters. Ihre dortige Anordnung überliefern unter anderem Kupferstiche um 1725. Sie folgte den Prinzipien der barocken Kulissenbühne wie sie auch zeitgenössische Bühnenbilder zeigen. Die Szene stellt einen Garten dar - der Konvention folgend als skulpturengeschmückte Allee. Die Figuren sind nicht als bloße Staffage zu verstehen. Sie sollten vielmehr Mitspielende im Bühnengeschehen sein. Sie wendeten die sich daher mit Blicken und Gesten den reich kostümierten Darstellern auf der Bühne zu.
Von ursprünglich 27 in den Niederlanden gekauften Statuen sind heute nur noch 17 Originale erhalten. Zusammen mit acht um das Amphitheater sowie vier auf der südlichen Balustrade angeordneten Bleifiguren umrundeten sie ursprünglich das Theaterboskett und nahmen die Besucher in ihre Mitte.
Die Aufstellung der Figurengruppe änderte sich im Laufe der Zeit mehrfach. Von ursprünglich 27 in den Niederlanden gekauften Statuen sind heute nur noch 17 Originale erhalten. Dieser Bestand wurde erst Mitte des19. Jahrhunderts auf der Bühne zusammengefasst und mit Blick zum Zuschauerbereich aufgestellt. Ihre Aufstellung war dann (Jahrhundertwende, 1937/38, 1967) unterschiedlich und erfolgte unsystematisch.

Welche antiken Vorbilder haben die Statuen?

Bei der Herstellung der Bleifiguren wurden nur wenige Grundmodelle verwendet. Aus den einzeln gegossenen Körperteilen konnten verschiedene Figuren zusammengesetzt werden. Gleich blieben jeweils der Torso sowie die Form und der Stand der Beine. Verändert wurden die Haltung von Kopf und Armen sowie Frisur und Gesichtszüge. So konnte man nach Wunsch des Kunden die berühmtesten antiken Skulpturen nachbilden. Sie ersetzten auch in Herrenhausen als Gartenschmuck die nicht zu erlangenden im Originale in Italien und Frankreich.
Als antike Vorbilder sind unter anderem zu identifizieren:

  • Die Venus Medici, eine der berühmtesten Antiken Roms, die erst um 1630 wiederentdeckt wurde. Sie verkörpert mit ihren harmonischen Proportionen und der idealisierenden Gestaltung das ästhetische Ideal der klassischen Antike (Florenz, Uffizien)
  • Ein tanzender Faun (Florenz, Palazzo Pitti)
  • Der Kapitolinische Antinous, eine seit dem 16. Jahrhundert europaweit hochgeschätzte antiken Skulptur (Rom, Kapitolinische Museen)
  • Ein musizierender Faun mit Schellen und "kroupézion" (Fußklappern), ein weiteres antikes Meisterwerk (Florenz, Uffizien)
  • Die beiden Borghesischen Fechter, nach einer lebensgroßen Marmorstatue geschaffen, die erst um 1610 im Süden von Rom ausgegraben wurde. Das Bildwerk (heute im Louvre) wurde wegen seiner Dynamik und vollendet wiedergegebenen Anatomie bewundert

Warum wurden im Heckentheater Figuren aus Blei aufgestellt?

Die Figuren bestehen aus vergoldetem Blei. In der Barockzeit legten Kostengründe die Verwendung dieses relativ preiswerten Metalls für die Ausstattung von Brunnen und großen Gartenanlagen nahe. Sogar im großen Vorbild der europäischen Fürstenhöfe, dem Schlossgarten von Versailles, behalf man sich mit Bleigüssen, die man bronzefarbig fasste. In Entscheidend für die großflächige Verwendung von Bleifiguren war die Serienherstellung in holländischen Manufakturen, die im 17. und 18. Jahrhundert ganz Europa belieferten.Deutschland sind vor allem die weitgehend verlorene, aber gut dokumentierte Ausstattung des Berliner SchlossgartensDer zum Berliner Stadtschloß gehörende Schlossgarten wurde 1646 von Hofgärtner Michael Hanf und Gartenmeister Johann Sigismund Elßholtz als Lustgarten nach holländischem Vorbild angelegt: mit Blumengarten, Orangerie und Gewürzgarten, sowie mit Grotten, Lusthäusern, Volieren, Fontänen sowie zahlreichen Statuen (u.a. 48 Bleifiguren aus der Londoner Werkstatt von George Larson). Hier wurden zum ersten Male Kartoffeln angebaut. aus der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Entscheidend für die großflächige Verwendung von Bleifiguren war die Serienherstellung in holländischen Manufakturen, die im 17. und 18. Jahrhundert ganz Europa belieferten. Man konnte dort nach Katalog Bleiplastiken "nach der Antike" bestellen.
Auch die Herrenhäuser Figurengruppe stammt aus einer dieser Werkstätten. Die Modelle sind von dem 1664 in Den Haag verstorbenen Bildhauer und Metallgießer Johan Larson geschaffen worden. Die Ausführung der Güsse erfolgte durch den Gießer Barent Dronrijp, der den künstlerischen Nachlass von Larson erworben hatte. Für die Aufstellung im Heckentheater veredelte man die Figuren mit einer Vergoldung.

Wie wurden die Bleifiguren hergestellt?

Die Bleifiguren wurden nicht in einem Stück, sondern in Einzelteilen (Kopf, Rumpf, Gliedmaßen) gegossen und anschließend durch Guss-Schweißung oder Lötung zusammengefügt ("assembliert").
Die Modelle wurden über Generationen verwendet. Es handelte sich um Negativ-Teilformen, mit deren Hilfe man die Gussformen herstellte. Diese bestanden meist aus metallischen, selten aus nichtmetallischen Werkstoffen und konnten mehrfach eingesetzt werden ("Dauerformen").
Die Modelle wurden über Generationen verwendet. Es handelte sich um Negativ-Teilformen, mit deren Hilfe man die Gussformen herstellte. Die Kernform wurde aus einem hitzebeständigen Material aufgebaut, beispielsweise Lehmerde mit Sand. In sie eingelegte schmiedeeiserne Stäbe stabilisierten die Kernform beim Guss. Sie dienten später bei der Montage der Teile als Verbindungselemente. In die Beine wurden Vierkanteisen mit Überstand nach unten eingesetzt. So konnte die Figur auf dem Steinsockel standsicher befestigt werden.
Zwischen innerem Kern und äußerer Negativform bildete sich ein in Form und Wandstärke dem künftigen Metallkörper entsprechender Hohlkörper, der sich beim Guss mit dem flüssigen Blei ausfüllte. Ziel dieser komplizierten Technologie war es, die vom Modell wiedergegebene Form durch präzise Oberflächenabformung zu reproduzieren.
Den Abschluss bildeten eine Nachbearbeitung von Details durch den Ziseleur und eine Ölvergoldung. Dabei wurde Blattgold auf ein Klebemittel auf Leinölbasis ("Mixtion") aufgelegt und geglättet.


Tanzender Satyr im Depot, um 1900

Satyr-Kopie von 1974 mit dem Arm der Aphrodite

Tanzender Satyr: Original vor der aktuellen Restaurierung

Eine geöffnete Bleifigur zeigt Reste des Gusskerns
und eine originale Fügenaht unterhalb der Brust

Die alte Innenkonstruktion einer Bleifigur

Das "Innenleben" des Borghesischen Fechters nach
Abnahme des Bleimantels. Unsachgemäße Ergänzungen
aus allerlei Materialien

Metallguss

Borghesischer Fechter nach der Konservierung

Der Tanzende Satyr in der Werkstatt nach Konservierung
und Vergoldung

Welche restauratorischen Arbeiten waren notwendig?

Die Bleifiguren wiesen bereits bald nach ihrer Aufstellung 1689/92 erste Schäden auf. Neben Reparaturarbeiten und regelmäßigen Neuvergoldungen sind in den Akten wiederholt erhebliche Beschädigungen aufgeführt, bei denen den Figuren Arme und Beine abgerissen und zum Einschmelzen entwendet wurden. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden sie mehrfach stark überarbeitet, wobei Teile desolater Figuren für die Reparatur besser erhaltener wiederverwendet wurden. Dabei wurden auch die originalen Innenkonstruktionen aus Eisen großteils ersetzt.
Neben Reparaturarbeiten und regelmäßigen Neuvergoldungen sind in den Akten wiederholt erhebliche Beschädigungen aufgeführt, bei denen den Figuren Arme und Beine abgerissen und zum Einschmelzen entwendet wurden. 1970 entschloss man sich dazu, an die Stelle der beschädigten Originale robustere Bronzekopien zu setzen. Da die wertvollen barocken Bleifiguren aber nicht auf Dauer deponiert bleiben sollten, setzten seit 2001 Bemühungen zu ihrer Rettung ein. Nach einer Musterrestaurierung wurde 2004 - 2009 die Gesamtinstandsetzung von Haber & Brandner Metallrestaurierung in Regensburg durchgeführt.
Zielvorgabe war die statische Sicherung der Figuren für die Wiederaufstellung am ursprünglichen Standort durch Einbau neuer, korrosionsbeständiger Innenkonstruktionen. Die stark deformierten Objekte mussten rückgeformt werden. Die besonders schwierige Ergänzung fehlender Arme erfolgten an Hand von historischen Abbildungen, archivalischen Quellen und durch den Vergleich mit den antiken Vorbildern.
Die beschädigten Oberflächen wurden gereinigt, Korrosionsprodukte und Kittungen abgenommen. Für die Neuvergoldung wurde ein modernes witterungsbeständiges Konservierungssystem eingesetzt, abschließend die Vergoldung aufgetragen und durch einen speziellen Acryl-Klarlack zum Schutz gegen mechanischen Abrieb und Witterungseinflüsse überzogen.


Das Tanzende Mädchen wird nach ihrer Restaurierung
wieder aufgestellt, April 2009

Oberbürgermeister Stephan Weil und Dr. Peter Ziegler, Vorstandsvorsitzender der
Wenger-Stiftung, enthüllen bei einem Festakt am 7. April 2009
eine der restaurierten Figuren

Borghesischer Fechter, April 2009

Venus mit Rose

Wie wurden die restaurierten Bleifiguren aufgestellt?

Angesichts der herausragenden kunst- und kulturgeschichtlichen Bedeutung des Heckentheaters stellte sich die Frage, wie die originalen Bleifiguren nach ihrer Restaurierung wiederaufgestellt werden sollten.
In ihrer bisherigen Position vereinzelten sich die Figuren, wendeten sich mit Blicken und Gesten ab. Mit der neuen, der originalen nachempfundenen entsteht zwischen ihnen ein spannungsvolles Miteinander. Die Abbildungen aus der Barockzeit sind nicht völlig eindeutig. Seit ca. 1850 zeigen Fotografien eine Hinwendung der Figuren zum Zuschauerbereich. Für eine Beurteilung der originalen Situation waren daher zeitgenössische Bühnenbilder und Heckentheater (SalzdahlumSchloss Salzdahlum war ein Lustschloss mit einem ausgedehnten Barockgarten, das zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel lag. Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel ließ die Schlossanlage, die sich an Versailles orientierte, zwischen 1688 und 1694 nach Plänen des Landbaumeisters Johann Balthasar Lauterbach von Hermann Korb erbauen. Aus Kostengründen entstanden die Gebäude fast ausschließlich in Holzbauweise, wobei die Verkleidungen den Eindruck eines Sandsteinbaus vermitteln sollten. 1813 wurde das Schloss abgerissen. , HundisburgMit Schloss Hundisburg (Stadt Haldensleben), das Hermann Korb ab 1693 für Johann Friedrich II. von Alvensleben realisierte, entstand ein imposantes Hauptwerk des Braunschweiger Barock. Der Barockgarten wurde ab 1699 angelegt und besitzt einen hohen kunsthistorischen Rang als einer der ältesten klassisch-französischen Gärten in Deutschland. Seit 1991 konnte er im wesentlichen rekonstruiert werden.) hilfreich, die in unmittelbarer Nachfolge von Herrenhausen stehen. Sie bestätigten übereinstimmend die in Kupferstichen von 1725 überlieferte Situation, bei der die Figuren sich einander zuwenden.
Die Entscheidung wurde schließlich mit Hilfe maßstäblich verkleinerter Modelle der Barockskulpturen getroffen. Unterschiedliche Aufstellungen auf der Bühne wurden experimentell erprobt: den Zuschauern zugewendet, um 90° zu Bühne gedreht, in veränderter Abfolge.
Die ursprüngliche Aufstellung des Ensembles überzeugte am meisten. In ihrer bisherigen Position vereinzelten sich die Figuren, wendeten sich mit Blicken und Gesten ab. Mit der neuen, der originalen nachempfundenen entsteht zwischen ihnen ein spannungsvolles Miteinander. Es wird gesteigert durch die nach Süden offen bleibende Achse. Hiermit wird der Fontäne ihre alte Funktion zurückgegeben, den Blick anzuziehen und in die Tiefe weiter zu weisen.

Dr. Peter Königfeld (2009)