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Die Dokumentation eines monumentalen Zeugnisses mittelalterlicher Kunst:

Die romanische Bilderdecke in der Hildesheimer St. Michaeliskirche - ein Weltkulturerbe

Förderzeitraum: 1999 - 2003

Der schlafende Jesse und der Jessebaum (Deckenfeld 2). Bei Jesse, dem Vater Davids, nimmt die als Wurzel Jesse bekannte Darstellung von der Abkunft Jesu ihren Anfang
Die Decke im Detail

Modell des ottonischen Bauzustandes von St. Michael
im 1. Viertel des 11. Jahrhunderts (1956)

Die Südseite von St. Michael. Stahlstich von Joseph Maximilian
Kolb, 2. Hälfte 19. Jahrhundert

Blick auf die kriegszerstörte Michaeliskirche von Süden, 1945

St. Michael von Südosten, 1999 (Foto: Elke Behrens)

Der Innenraum nach Osten vor 1945

Blick in das zerstörte Kircheninnere, 1946

Der Innenraum nach Osten, 1999
(Foto: Detlev Gadesmann)

König Salomo (Deckenfeld 4 a-c).
Übermalungen von 1856

König Salomo (II).
Nach der Freilegung 1955-1960

Hildesheim, Ev. Kirche St. Michael - Bestands- und Zustandssicherung der Deckenmalerei

1999-2001

St. Michael in Hildesheim gehört seit 1985 zum deklarierten Weltkulturerbe der UNESCO und gilt als eine der bedeutendsten Leistungen ottonischer BaukunstDie Epoche der Ottonen und damit des Geschlechts der Sachsen (919-1024) beginnt 919 mit Heinrich I. Durch Weiterentwicklung der karolingischen Architektur wird in dieser Epoche der Formenkanon für den romanischen Sakralbau bereitgestellt. Hauptbeispiele ottonischer Baukunst sind u.a. St. Michael in Hildesheim (1010-33), St. Pantaleon in Köln (um 980), Abdinghofkirche in Paderborn (1017), Dom in Magdeburg (Gründungsbau 955), Stiftskirche in Gernrode (um 990), Dom in Mainz (955-1009).
Weiterführendes zur ottonischen Baukunst
. Im Langhaus befindet sich die größte und bedeutendste MonumentalmalereiDas Ausschmücken geschlossener Raumdecken mit figürlichen bzw. ornamentalen Monumentalmalereien ist eine schon in der antiken Kunst gepflegte Sonderform der Wandmalerei. In der christlichen Kunst wurde der obere Raumabschluss illusionistisch zur Himmelszone umgedeutet. Monumentale Deckenmalereien auf Holzträgern aus dem Mittelalter haben sich nördlich der Alpen in St. Martin in Zillis / Graubünden (um 1109 bis 1114) sowie St. Michael in Hildesheim (1193-1197) erhalten., die aus mittelalterlicher Zeit nördlich der Alpen erhalten ist. Die Gesamtfläche der Decke umfasst 242 Quadratmeter. Verbaut wurden dafür etwa 1300 Eichenholzbohlen. Nach der dendrochronologischen Untersuchung kann man die Entstehung der Deckenmalerei ab 1209 annehmen. Dargestellt ist die so genannte "Wurzel Jesse", der Stammbaum Christi.
Die Ergebnisse des Projektes der Wenger-Stiftung für Denkmalpflege, Düsseldorf, in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Michaelis in Hildesheim sowie mit Unterstützung des Deutschen Bergbau-Museums, Bochum, bilden die Basis für eine kontinuierliche Überwachung der Deckenmalerei. Ergebnisse, die nur ein interdisziplinäres Untersuchungsteam ermöglichen kann, das restauratorische, fotografische, vermessungstechnische, kunsthistorische, klimatechnische und dokumentarische Aspekte miteinander vereinte.
Die seit 1999 erhobenen und ausgewerteten Daten durch den Aufgabenbereich Restaurierung des Referats Fachdienste im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) werden mit dem Instrument des "Visuellen Monitorings" fortgeschrieben. Die spezielle fotografische Aufnahmetechnik erfasst feinste Veränderungen in der Malereioberfläche der Decke. Die Distanz beträgt vom Fußboden aus 16,5 Meter. Zur Anwendung kommt ein rechnergestütztes Dokumentationsverfahren der Zustandserfassung, das von der Abteilung für Informationssysteme im Deutschen Bergbau-Museum (DBM) in Bochum entwickelt wurde.
Der empfohlene Wartungszeitraum für die Deckenmalerei liegt zwischen drei oder vier Jahren und beinhaltet weitere digitale Vergleiche von Bilddaten in Hinblick auf Substanzverlust. Für die Entwicklung eines restauratorisch konservatorischen Behandlungskonzeptes liefern die erhobenen Daten wichtige Aussagen über den aktuellen Zustand dieses international bedeutenden Kulturdenkmals.

Christina Achhammer, Elke Behrens, Detlev Gadesmann (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege); Annette Hornschuch (Deutsches Bergbaumuseum Bochum)


Gezielte Untersuchung der Deckenmalerei mit flexiblem Streiflicht (Foto: Elke Behrens)

Restauratorenteam des NLD bei den Kartierungsarbeiten (Foto: Elke Behrens)

König Salomo (III). Die UV-Fluoreszenz-Aufnahme ermöglicht eine Identifikation
von originalem Malereibestand, Schäden und jüngeren Überarbeitungen
(Foto: Fa. Luftbild Eifel, DBM 1999)

Jona, Detail (Deckenfeld 33). CAD-Detailkartierung:
rot=originale Bereiche, blau=Fehlstellen bis zum
Holzträger (Nachweis: Oskar Emmenegger, NLD /
Maro Moskopp, Mechernich-Lessenich)

Hildesheim, Ev. Kirche St. Michael - Referenzflächen-Monitoring der Deckenmalerei

1999-2005

Das "Visuelle Monitoring-Verfahren" ist ein Wartungsinstrument zur langfristigen Beobachtung des Erhaltungszustandes der Deckenmalerei in St. Michael. Der Einsatz digitaler Messbildtechnik ermöglicht dabei den direkten Vergleich von fotografischen Bildinformationen aus unterschiedlichen Zeitebenen. Erprobt wurde dieses Dokumentationsverfahren an ausgesuchten Deckenfeldern, den so genannten Referenzflächen, die in erster Linie ursprüngliche Malerei beinhalten und zudem mehrere Überarbeitungen durch frühere Restaurierungsmaßnahmen erfahren haben. Ebenso bezog sich die Auswahl auf Bereiche, die im 19. Jahrhundert erneuert oder die schon 1999 und 2003 mit einer speziellen fotografischen Aufnahmetechnik, der multispektralen BildanalyseDie multispektrale Bildanalyse dient als wichtiges Werkzeug zum Verständnis des Bilderzeugungsprozesses und von Reflexionsphänomenen. Dazu kombinieren multispektrale (bzw. hyperspektrale) Bilder die Vorteile der Spektroskopie mit Topologieinformationen zweidimensionaler Bilder. Die aufgenommenen Daten sind sehr vielschichtig und gehen oft über die menschliche Wahrnehmung hinaus; sie können zuverlässiger und weitreichender interpretiert werden als reguläre Farbbilddaten., ausgewertet wurden. Sie entstammt den Möglichkeiten der Fernerkundung der Erdoberfläche zur Auswertung von Satellitenbildern. So konnten auch in St. Michael analoge Aufnahmen ausgewertet werden, die nur bei einer Distanz von 16,50 Metern vom Fußboden aus fotografiert wurden.
Die Ausführung erfolgte in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Michaelis in Hildesheim sowie mit Unterstützung des Deutschen Bergbau-Museums (DBM), Bochum. Finanziert wurden die Projekte 1999 und 2003 von der Wenger Stiftung für Denkmalpflege, Düsseldorf. Die fotografische Dokumentation des Vorzustandes der Deckenmalerei vor der Konservierungsmaßnahme 2005 wurde von der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers finanziert. Auch hier war das Deutsche Bergbau-Museum federführend bei der Bearbeitung der neuen Aufnahmen von Feld 2f (schlafender Jesse), Feld 4b (Salomo), Feld 25 (Lukas), Feld 37 (Verkündigungsengel) und Feld 47 (Aram).
Die früheren analogen Monitoring-Bilddaten wurden von den direkt mit der Digitalkamera erstellten Aufnahmen überlagert und geometrisch transformiert. Ihre Interpretation in Form von Differenzbildern konzentrierte sich auf den Substanzverlust in der Malereioberfläche. Die Begutachtung fand im Referat Fachdienste, Aufgabenbereich Restaurierung, des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD) statt. Die digitale fotografische Aufnahmetechnik verfeinerte die Qualität der Bilddaten und verkürzte erheblich den gesamten Bearbeitungsaufwand. Und nicht zu vergessen, die Kosten für Gerüststandzeiten können eingespart werden.
Für die nächste Monitoring-Kampagne wird das Dokumentationsteam sich einer neuen Herausforderung stellen müssen: Die Oberflächeninformationen auf der Malerei haben sich durch die Konservierungsmaßnahme 2005 durch flächendeckende Festigungsmaßnahmen maßgeblich verändert.

Elke Behrens, Detlev Gadesmann (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege)