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Die Wiederherstellung des barocken Zentrums:

Der historische Brunnen im Park des Rittergutes Westerbrak restauriert

Förderzeitraum: 2007

Ansicht Westerbraks von 1770

Rittergut Westerbrak und seine Parkanlage 1667 - 2007

Barocke Anfänge

Westerbrak, heute Ortsteil der Gemeinde Kirchbrak, Ldkr. Holzminden, wird erstmals 1033 urkundlich erwähnt. 1618 wird es unter Heinrich Albrecht von Grone eigenständiges Rittergut. Dessen Enkel, Henrich Eckbrecht von Grone (1649-1726), kannte in seinen Funktionen als hochfürstlicher Schatz- und Landrat der braunschweigischen Herzöge und als erster Probst des Stiftes Steterburg die eindrucksvollen barocken Gartenanlagen, die unter Anton Ulrich von Braunschweig-WolfenbüttelAnton Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel, dritter Sohn Herzogs August des Jüngern von Braunschweig, einer der gelehrtesten, galantesten und prachtliebendsten Fürsten seiner Zeit (1633 – 1714). An Prachtliebe war ihm Ludwig XIV. Vorbild. Anton Ulrichs Hauptschöpfung war das 1694 und 1695 nach dem Muster des Schlosses Marly erbaute Lustschloß zu Salzdahlum, mit seinen weitläufigen Gebäuden, einem ausgedehnten, im Stil des französischen Gartenarchitekten André Le Notres angelegten Lustgarten, mit dem Parnaß, den Wasserkünsten und einem Wald von Statuen, mit seiner bedeutenden Kunstkammer und der wertvollen Gemäldegalerie. in dessen Fürstentum entstanden waren. Diesen Vorbildern nacheifernd, begann er 1667-1678, den Westerbraker Garten zu gestalten. Mit erheblichem Aufwand ließ er unter anderem drei Terrassen anlegen, die über Treppenanlagen miteinander verbunden waren.


Barocke Gartenfigur:
ein kleiner Putto als Allegorie des Winters

Barocke Gartenfigur aus Sandstein:
ein kleiner Bacchant als Allegorie des Herbstes

Spätbarocke Blütezeit

Nachdem diese Hauptstruktur im 17. Jahrhundert geschaffen worden war, errichtete August Ernst Carl von Grone (1694-1765) die Hofanlage, wie sie noch heute in ihrer Symmetrie erhalten ist. Gleichzeitig ließ er im Garten das Engelstor, ein größeres Fontainebecken und ein achteckiges hölzernes Lusthäuschen erbauen. Ähnlich wie im Schlosspark in Wendhausen gliederten zahlreiche Hecken und Alleen seinen Garten, in den er, einer Mode dieser Epoche folgend, auch Frantzbäume (Zwergobst) pflanzte.Diese erste Blüte des Gartens währte bis 1742. 1755 ging August Ernst Carl von Grone in Konkurs Ein Feldriss, der im Zuge der Allgemeinen LandesvermessungVon 1746 bis 1784 wurde im Herzogtum Braunschweig die General-Landes-Vermessung durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in Feldrissen mit einem Maßstab von ca. 1:4 000 festgehalten. Gründe für diese Landesvermessung, die parallel zur Kurhannoverschen Landesaufnahme (1764 – 1784) lief, lagen insbesondere im militärischen sowie im verwaltungs- und finanztechnischen Bereich. Sie diente auch der Vorbereitung einer Agrarreform.

Weiterhin:
Landesaufnahmen im 18. Jahrhundert (PDF, Universität Hannover)
von 1761 von Georg Christian Geitel gezeichnet wurde, zeigt deutlich die Symmetrie und axiale Ausrichtung des Parks mit dem Brunnenrund, das alte Herrenhaus und das alte Brauhaus.
Diese erste Blüte des Gartens währte bis 1742. 1755 ging August Ernst Carl von Grone in Konkurs. In der Folge litten die Bauwerke und der Garten unter der nachlässigen Pflege der Pächter sowie den katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen des Siebenjährigen KriegesAuch als Dritter Schlesischer Krieg (1756-63) bezeichnet, an dem neben den beiden ursprünglichen Kontrahenten Österreich und Preußen auch England, Frankreich, Rußland, Schweden und Spanien beteiligt waren. Die erschöpften und kriegsmüden Parteien schlossen am 15. Februar 1763 schließlich Frieden. Er besiegelte den Besitzstand von 1745: Preußen durfte Schlesien behalten; ansonsten keine Gewinne, aber riesige Verluste für alle Kriegsbeteiligten..
1770 gelang es dem Neffen Carl Rudolph von Grone, die hinterlassenen Schulden zu tilgen und die Erbschaft anzutreten. 1801 folgte ihm Friedrich August von Grone, unter dessen Regie 1816 das baufällige Herrenhaus abgerissen wurde. In dieser Zeit entstand auch der Garten auf der oberen Terrasse.

Aufschwung in der Gründerzeit

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte die Bautätigkeit in Westerbrak wieder auf: 1855 wurde das ehemalige Brauhaus zum neuen HerrenhausWie in anderen adeligen Gutsgärten findet sich auch in Westerbrak das Neben- und Miteinander von Zier- und Nutzflächen umgestaltet: ein streng wirkender Bau mit Anklängen des Rundbogenstils. Der Garten selbst behielt seine architektonischen Hauptstrukturen und war, wie ein Foto belegt, um 1890 in einem sehr gepflegten Zustand. Wie in anderen adeligen Gutsgärten findet sich auch in Westerbrak das Neben- und Miteinander von Zier- und Nutzflächen.
Eine Umgestaltung zum englischen Landschaftsgarten erfolgte um 1900 auf der unteren Terrasse. Großwachsende Bäume wurden gepflanzt, geschlängelte Wege und drei kleine verwunschene Grotten aus Tuffstein angelegt.


Garten des Rittergutes, 1924

Blütezeit um 1920

Mit der Heirat von Siegfried von Grone mit Agnes von Hammerstein-Loxten kam neuer Schwung nach Westerbrak. Voller Energie machte sich die neue Hausfrau an eine Neugestaltung des Anwesens. Sie ließ auf das Obergeschoss des Herrenhauses das barock anmutende Walmdach mit Gauben setzen und verstärkte den Eindruck einer geschlossenen Hofsituation durch verbindende Stallungen. Im Garten nahm sie Vorstellungen der reformierten Gartenkunst auf und unterstrich im Sinne der englischen Gärtnerin Gertrude Jeckyll (1843-1932) seine architektonischen Grundzüge durch prachtvolle, breit angelegte Staudenrabatten entlang der Wege. Sie schmückte diese mit Rittersporn nach Vorgaben des bedeutenden Gartengestalters, Blumenzüchters und Naturphilosophen Karl Foerster (1874-1970), dessen Publikationen sich in ihrer Bibliothek finden und mit dem sie wohl die Vorliebe für die "blauen Schätze" teilte.


Im Garten: Das Wasserbecken dient als Rosenbeet

Umbruch

Der allgemeine Strukturwandel in der Landwirtschaft und in der Folge mangelnde finanzielle und personelle Ressourcen waren Ursache dafür, dass in WesterbrakDie unterste Terrasse fiel trotz intensiver Bemühungen einer Straßenbaumaßnahme zum Opfer wie in vielen kleineren, privaten Gutsanlagen die erforderlichen aufwendigen Pflegemaßnahmen eingeschränkt werden mussten. Darüberhinaus erfuhr die Gutsanlage in den letzten Jahrzehnten weitere Einschnitte. Besonders schmerzlich war der Verlust der untersten Terrasse (der „englische Garten“), die trotz nahezu zehnjähriger intensiver Bemühungen einer Straßenbaumaßnahme zum Opfer fiel. In diesem Zusammenhang wurde das nach Osten gelegene Engelstor auf die Symmetrieachse nach Norden versetzt.


Wiederherstellungsarbeiten: Das Wasserbecken wird ausgehoben

Heutige Situation

Dank vielfältigen Engagements sowie zahlreicher helfender Köpfe und Hände konnte 2002 mit der Sanierung der unter Denkmalschutz stehenden Guts- und GartenanlageMehr zur Gartenanlage in Westerbrak und den historischen Gärten in Niedersachsen unter:
Historische Gärten in Niedersachsen
begonnen werden. Es wurde ein dem Denkmal entsprechendes behutsames Konzept gewählt. Zu den Arbeiten gehörten die aufwendige Instandsetzung von Treppen und Mauerwerk der oberen Terrasse, gartenbauliche Maßnahmen, wie Rodungs- und Pflanzarbeiten, Wegebau und Baumsanierung sowie schmiedeeiserne Arbeiten. Die Restaurierung der Gartenfontäne konnte 2007 dank einer Förderung durch die Wenger-Stiftung für Denkmalpflege abgeschlossen werden.

Jutta Curtius

Die restaurierte Fontäne
Die wiederhergestellte Fontaine lädt zum Verweilen